Genau genommen müsste Blaudruck Blaufärben heißen, denn die Stoffstellen, die nicht mit einem Muster versehen sind, färben sich am Ende blau. Das eigentliche Muster ist nach dem Färbevorgang weiß, da es ausgespart (reserviert) ist. Dieser Druck wird auch „Reservedruck“ genannt.

Mithilfe von Druckstöcken – genannt Modeln (z.B. Birnenholz)– bringt der Färber ein farbabweisendes „Reservage“, das so genannte „Papp“, auf die gewünschten Stellen des Stoffes auf.Einige Modeln sind heute ganz oder zum Teil mit Metallstäbchen verarbeitet. Die Modeln haben häufig eine Markierungshilfe an der Seite um das Ansetzten der Muster zu erleichtern.

 

Der Druckpapp ist eine Mischung aus Tonerde, Gummi Arabicum, Bleizucker, salpetersaurem Blei, Alaun, Grünspan, Blaustein und Schmalz. Jeder Färber hat sein eigenes Rezept. Die Masse ist giftig.Doch vor dem Färben muss der Stoff vorbereitet werden. Das Tuch wird durch Kochen in einer Sodalauge entfettet (entschlichtet). Gespült und gemangelt.

 

Ist der Papp aufgetragen muss das bedruckte Tuch ca. 4 Wochen trocknen.

Die Färbelösung aus Indigo, Kalk und Eisenvitriol wird einem gemauerten Bottich, der „Küpe“ angerührt. Über dem Bottich hängt der Küperrahmen. Auf diesen wird der Stoff gespannt. Bis zu 10 Stunden dauert ein Färbevorgang, da der Stoff mehrmals in die Farbe getaucht werden muss. Dieses ist für die Färbung wichtig, da erst die Verbindung mit dem Sauerstoff das Blau entsteht.

 

Beim Herausziehen ist der gefärbte Stoff gelb. Durch Oxidation (Reaktion mit dem Sauerstoff der Luft) entwickelt sich die zunächst grüne, später blaue Farbe. Dieser Vorgang wird durch Schläge mit Stöcken unterstützt.Abschließend wird der „Papp“ in einem schwefelsäurehaltigen Bad ausgewaschen. Das Tuch wird wieder gespült und gemangelt.

 

Dieses Färbeverfahren brachte den Blaufärbern den Ruf des Hexers ein.Viele unserer heutigen Redewendungen lassen sich auf diese Tätigkeit zurückführen z.B. „Blau machen“, „ein blaues Wunder erleben“ und „grün und blau schlagen“.

 

Bis ins 16. Jh. gewannen die Färber den Farbstoff aus „Färberwaid“. Später im 18 Jh. brachten die Seefahrer „Indigo“ aus Indien mit. Das heimische Kraut wurde somit als Färbemittel verdrängt. Indigo wird auch zum Färben von Jeans gebraucht. Dies führte zum Preisanstieg für Indigofarbstoff. Eine weitere Möglichkeit des Blaudrucks ist das Herausätzen der Muster aus dem blauen Stoff. Bedruckt wurde Leinen, für welchen die Bauern Flachs anbauten und in Heimarbeit verwebten.

 

Die Spuren des Blaufärben lassen sich bis in die frühen Kulturen der Inder und Ägypter verfolgen. In Europa stand die erste Blaudruckerei 1678 in Amersfoot (Niederlande) und die erste in Deutschland 1689 in Augsburg.

 

 

alte Blaudruckmodeln

alte Blaudruckmodeln

 

Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit

deiner Gedanken ab.

Marc Aurel