Der Färberwaid ist eine Färbepflanze, die durch den Indigofarbstoff verdrängt und fast in Vergessenheit geraten ist. Die Farbe des Waid wird mit jeder Wäsche brillanter und färbt nicht aus.

Der Färberwaid (Isatis tinctoria L.) zählt zu der Familie der Kreuzblütengewächse und ist zweijährig. Seine Heimat ist Westindien, er wird aber seit viele Hundert Jahren in Europa als Färberpflanze kultiviert. Ein großer Teil der Bevölkerung im 12. bis zum 16. Jh. lebte von seinem Anbau, z.B. als Waidbauer oder Händler. Bis ins 16. Jh. färbte Waid die Stoffe, vorrangig Leinen, Europas blau.

Danach verdrängte der Indigofarbstoff den Waid. Indigo stammte aus einer tropischen Pflanze, der Schmetterlingsblüter, aus Indien. Ende des 19. Jh. kam synthetischer Indigo auf den Markt, was wiederum zur Verdrängung des natürlichen Indigos führte. Portugiesische Händler brachten die Indigofarbstoffe nach Europa. Als Schutz der einheimischen Farbstoffe wurde Indigo verboten und als Teufelszeug beschimpft.

Alltagskleidung des breiten Volkes wurde aber weiterhin mit Waid gefärbt, das der Farbstoff preiswerter war. Seine Farbe hat jedoch nicht die Intensität und ist auch nicht so ergiebig wie Indigo.

Färben mit Waid ist eine arbeitsintensive Aufgabe: Getrocknete Blätter werden zum Gären gebracht, der Farbstoff wird unter Einsatz von Alkohol (Urin) gelöst, der Stoff in die Brühe eingetaucht, mit Urin gespült, in der Sonne getrocknet. Im Sonnenschein erst entwickelt sich die blaue Farbe. Die Oxidation mit dem Licht macht es möglich. Die Fermentation der Blätter lässt sich durch Urin beschleunigen.

So erzählt die Anekdote, dass früher Männer/Färber mit viel Bier versorgt wurden um viel Urin lassen zu müssen, um mit diesem wiederum die Stoff zu tränken. So entstanden vermutlich die Sprüche „Blau sein“ oder auch „Blau machen“.

Der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620- 1688) führte zur Unterstützung der einheimischen Waidbauern dunkelblaue Uniformen ein. Das Preußischblau der Uniformen des Preußischen Königreiches entspringt dieser Tradition.

Der Siegeszug des Indigos war jedoch nicht aufzuhalten. 1737 wurde Indigo legalisiert und Waid endgültig verdrängt. Der wohl älteste Fund stammt aus der Jungsteinzeit, gefunden in Höhlen Südfrankreichs. In der frühen Eisenzeit benutzten germanische Stämme Waid als Färbemittel. Zur Zeit der Kreuzzüge verbreitete sich den Waidanbau in Europa. Im 12.Jh. erlebt Thüringen und die Stadt Erfurt durch den Waid eine Hochblüte. Waid galt als „König der Farbstoffe“. Neben Purpur zählt Indigo zu den ältesten Farbstoffen der Welt. Die Jeanshose hat ihre Farbe vom Indigo. Auch Caesar konnte in seinen Kriegen mit den Briten über Waidfärberei berichten. So erwähnt er, dass sich die Briten mit Waid blau bzw. blaugrün färbten/anmalten. Das Erscheinungsbild der Krieger war furchterregend.

 

Worte sind nicht wie Hunde,

die man zurückpfeifen kann.

Leonardo Sciascia