Die Naturseide ist tierischem Ursprungs aus dem Kokon eines unscheinbaren Schmetterlings wird sie gewonnen. Die Seidenherstellung und die Zucht der Seidenraupen hat ihren Ursprung in China. Dort ist die Seidenproduktion seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. nachweisbar. Andere Quellen gehen davon aus, dass die Seidenproduktion in China schon im 5.- 4. Jahrtausend v. Chr. begonnen hat.

Die Theorie stützt sich auf Funde von Haspeln und Webgeräte aus Knochen. Von China aus verbreitete sich die Gewinnung der Seide über Korea und Japan, später über Indien nach Persien und Vorderasien. Rohseide und Gewebe wurden über die Seidenstraße nach Europa transportiert. Stoffe gelangten auch mit Schiffen nach Rom. Die Geheimhaltungsstrategie der Händler führte dazu, dass die Chinesen keinen direkten Kontakt zu den Römern hatten. Erst im 6. Jh. gelangen die ersten Kokons nach Europa. Bis ins 16. Jh. war Italien führend in der europäischen Seidenproduktion.

Louis XI. lockte italienische Seiden-Handwerker mit Privilegien nach Frankreich. Im 17. Jh. pflanzten die Franzosen in den Gegenden von Tours und Lyon Maulbeerbäume an. Die Seidenraupen ernähren sich von den Blättern der Maulbeerbäume. Seide kann also nur da hergestellt werden, wo Maulbeerbäume wachsen können.

Mit der Französischen Revolution endete die große Zeit der französischen Seidenproduktion. Napoleon I. befahl die Bekleidung der höheren Staats- und Hofbeamten ausschließlich aus Seide zu fertigen. So konnte dieser wichtige Wirtschaftsbereich erhalten werden.

Eigenschaften der Seide:

– temperaturausgleichend

– kühlend bei Hitze

– wärmend bei Kälte

– nimmt 1/3 des Eigengewichtes an Feuchtigkeit auf

– sehr hohe Festigkeit

– schmutzabweisend und knitterarm

– empfindlich gegen Sonne

– relativ unempfindlich gegen Gerüche

Verwendung von Seide:

Seide wird meist in reiner Form verarbeitet, kann aber auch mit Naturfasern zusammen

verarbeitet werden.

Produkte sind unter anderen Kleider, Blusen, Hemden oder Schals.

Wir unterscheiden mehrere Arten von Seide:

Maulbeerseide – echte Seide:

Wird aus dem Mittelteil des Kokons gewonnen, ist sie die edelste und teuerste Seide.

Sie ist leicht gezwirnt, glatt, gleichmäßig und glänzend.

Diese Seide wird abgehaspelt, auch Haspelseide oder Gregegarn genannt.

Unregelmäßig aber glänzend, ist die Seide aus den äußeren Kokonteilen, sie wird Schappeseide oder Florettseide genannt.

Das bei der Produktion der Schappeseide anfallende Abfallprodukt, die Kämmlinge, werden zu der sogenannten Bouretteseide verarbeitet, sie ist preiswerter, glänzt kaum und ist noppig.

Tussahseide – Wildseide:

Seide der wilden Seidenspinner, die nur draußen fressen, da sie sich nicht in Gebäuden halten lassen.

Der Atlasspinner ist der größte seiner Art (China, Philippinen, Sri Lanka), aus ihm wird die Fagara Seide gewonnen. Aus dem Kokon des indische Götterbaumspinner wird die

Eri Seide gewonnen.

Hier werden die Kokons nach dem Schlüpfen der Schmetterlinge eingesammelt.

Wilde Seide ist gelb, beige, braun oder grünlich und lässt sich schlecht färben.

Gewinnung des Seidenfadens:

Die 300- 500 Raupeneier eines Maulbeerseidenspinners brauchen für ihre Weiterentwicklung Wärme. Nach ca. 10 Tagen schlüpfen die Raupen.

Ca. 35 Tage (unter Züchtung ca. 25 Tage) verbringen die Raupen nun mit Schlafen und Fressen der frischen Maulbeerblätter, aber diese dürfen nicht zu nass und nicht verwelkt sein. Die Raupen sind empfindlich gegen Gerüche (z.B. Parfüm, Knoblauch), Zugluft und Lärm (z.B. Hundegebell), Hitze und mögen es nicht zu hell.

Aus Reisig werden kleine Kegel gebaut, die sogenannten „Spinnhütten“, in die die Raupen krabbeln. Mit Hilfe eines Seidengewirr (Flockseide) halten sich die Raupen an den Halmen fest und beginnen dann mit der Herstellung des Kokons.

In drei bis vier Tagen hüllen sich die Raupen nun in den Faden ein. Dabei scheiden sie dieses dünne Seidenfädchen aus einer Spinndrüse aus.Der Kokon besteht aus ca. 250.000 acht- förmigen Windungen.

In ca. zwei bis drei Wochen entwickeln sich dann die Schmetterlinge in ihren Kokons.

Die Kokons sind kugelig, länglich oder oval. Sie können gelb, weiß, rosa oder grau sein.

Nach dem Schlüpfen paaren sich die Maulbeerspinner und die Männchen sterben danach.

Die Weibchen sterben nach der Eiablage. Sie legen stecknadelkopfgroße Eier.

Zur Seidengewinnung müssen die verpuppten Raupen getötet werden, sie würden sonst beim Schlüpfen den Kokon zerstören. Sie werden bei ca. 60° durch von Mikrowellen, Wasserdampf oder Heißluft getötet.

Um den Seidenleim zu lösen werden die Kokons nun im heißen Wasser oder in einer heißen Lauge gebadet. Mithilfe von rotierenden Bürsten wird der Fadenanfang gefunden.

Jetzt können die Kokons abgehaspelt werden, wobei eine leichte Dehnung entsteht.

Durch das Entbasten (Kochen der Rohseide in Seifenwasser) verliert das Garn an Gewicht, gewinnt aber seine geschätzten Eigenschaften.

Diesen Gewichtsverlust gleicht man durch die Zugabe von Metallsalzen, Kunstharzen oder Gerbstoffen aus.

Viele Menschen versäumen das kleine Glück,

während sie auf das große vergebens warten.

Pearl S. Buck