Auf einer großen Weide gehen
Viel tausend Schafe silberweiß;
Wie wir sie heute wandeln sehen,
Sah sie der allerältste Greis.
Faser Geschichten und Geschichte
Auf einer großen Weide gehen
Viel tausend Schafe silberweiß;
Wie wir sie heute wandeln sehen,
Sah sie der allerältste Greis.
Maria spann am Rocken
Sie nähte eine feine Naht;
Sie las in ihrem Büchlein
Gar fleißig dient sie Gott.
Und da sie Gott gedient,
Was gab er ihr zum Lohn,
Das Himmelreich zu Teil
Dazu die himmlische Kron’.
Volkslieder
(aus Westfalen und Schlesien)
Männer ihr könnt lustig lachen,
Wenn die Weiber fleißig sein,
Wenn sie schönen Leinwand machen,
Halten sich am Leibe rein,
Wenn sie lieblich anzusehen
Und im reden freundlich sein,
Nett auf ihren Füßen gehen,
Lieben ihren Mann allein.

Pommersches Landschaf- Lamm
Mitglied einer großen Herde,
kam ich unbemerkt zur Erde,
Mutters Lämmchen, weiß im Fell,
sprang dem Träumer in die Hürde,
trug als Wolke leichte Bürde,
und die Welt war licht und hell.
Die Mädchen sind zu Rocken,
Im Schulzenhaus sitzen sie,
Und, wie die Räder, stocken
Auch ihre flinken Mäuler nie.
Sie plaudern und sie plappern,
Es tönt wie Hasenklappern,
Doch sind wir Hasen nicht davor erschrocken.
Du siehst geschäftig bei dem Linnen
die Alte dort in weißem Haar,
die rüstigste der Wäscherinnen
im sechsundsiebenzigsten Jahr.
So hat sie stets mit sauerm Schweiß
ihr Brot in Ehr und Zucht gegessen
und ausgefüllt mit treuem Fleiß
den Kreis, den Gott ihr zugemessen
Wohl hat Sommer sich zum Kranze
Manche Blüte zart gewoben;
Aber, Flachs, dich mildste Pflanze
Muss ich doch vor allen loben.
Blauen Himmel ausgestreuet
Hast du über dunkle Auen,
Deine milde Schönheit freuet
Die gleich zart geschaffnen Frauen.
Eine Witwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleißig, die andere hässlich und faul. Sie hatte aber die hässliche und faule, weil sie ihre rechte Tochter war, viel lieber, und die andere musste alle Arbeit tun. Das arme Mädchen musste sich täglich auf die große Straße bei einem Brunnen setzen und musste soviel spinnen, dass ihm das Blut aus den Fingern sprang. Nun trug es sich zu, dass die Spule einmal ganz blutig war; da bückte es sich damit in den Brunnen und wollte sie abwaschen, sie sprang ihm aber aus der Hand und fiel hinab.
Es war ein fauler Schäfer,
ein rechter Siebenschläfer,
ihn kümmerte kein Schaf.
Ein Mädchen konnt ihn fassen:
da war der Tropf verlassen,
fort Appetit und Schlaf!
Es trieb ihn in die Ferne,
des Nachts zählt‘ er die Sterne,
er klagt und härmt sich brav.
Nun, da sie ihn genommen,
ist alles wieder kommen,
Durst, Appetit und Schlaf.
Johann Wolfgang von Goethe