Spinnerlied

Hurre, hurre, hurre!
Schnurre, Rädchen, schnurre !
Trille Rädchen, lang und fein,
Trille fein ein Fädelein,
Mir zum Busenschleier.

Hurre, hurre, hurre!
Schnurre, Rädchen, schnurre !
In und außen blank und rein
Muß des Mädchens Busen sein,
Wohl deckt ihn der Schleier.

Hurre, hurre, hurre!
Schnurre, Rädchen, schnurre !
Weber, webe zart und fein,
Webe fein das Schleierlein
Mir zur Kirmesfeier.

Hurre, hurre, hurre!
Schnurre, Rädchen, schnurre !
In und außen blank und rein,
Fleißig, fromm und sittsam sein
Locket wackre Freier.

Gottfried August Bürger

Spinnerlied

Dreh dich, dreh dich Rädchen,
Spinne mir ein Fädchen,
Viele tausend Ellen lang!

Hurtig hurtig muß man spinnen
Mütterchen braucht frisches Linnen
Darum Rädchen ohne Ruh’,
Dreh dich, dreh dich immerzu.

Dreh dich, dreh dich Rädchen,
Spinne mir ein Fädchen,
Viele Tausend Ellen lang!

Brauchen Tücher, Betten, Kissen,
Jeden Tag wird was zerrissen;
Darum Rädchen ohne Ruh’,
Dreh dich, dreh dich immerzu.

Dreh dich, dreh dich Rädchen,
Spinne mir ein Fädchen
Viele tausend Ellen lang!

Hurtig, hurtig muß man spinnen
Unser kleines Brüderlein
Braucht ein Dutzend Hemdelein;
Darum Rädchen ohne Ruh’,
Dreh dich, dreh dich immerzu.

(Volkslied aus Baden)

Spinn, spinn, meine liebe Tochter

„Spinn, spinn, meine liebe Tochter
Ich kauf dir´n paar Schuh.“
„Ja, ja, meine liebe Mutter
auch Schnallen dazu;
Ich kann ja nicht spinnen
es schmerzt mich mein Finger
und tut und tut und tut mir so weh.“

„Spinn, spinn, meine liebe Tochter,
Ich kauf dir n Paar Strümpf.“
„Ja, ja, meine liebe Mutter,
Schön Zwickeln darin;
Ich kann ja nicht spinnen
es schmerzt mich mein Finger,
und tut und tut und tut mir so weh.“

„Spinn, spinn, meine liebe Tochter,
Ich kauf dir ein Kleid.“
„Ja, ja, meine liebe Mutter,
nicht zu lang und nicht zu weit;
Ich kann ja nicht spinnen
es schmerzt mich mein Finger,
und tut und tut und tut mir so weh.“

„Spinn, spinn, meine liebe Tochter,
Ich kauf dir einen Mann.“
„Ja, ja, meine liebe Mutter,
dann streng ich mich an;
Ich kann ja schon spinnen
es schmerzt mich kein Finger,
und tut und tut und tut nicht mehr weh.“