Baumwolle ist nicht nur einfach eine Faser, sie ist ein Wirtschaftsfaktor. Über Baumwolle gab es immer wieder Streit und bewegt noch heute viele Menschen in vielen Bereichen der Wirtschaft und in vielen Ländern der Erde. Hier einige Beispiele für die Vielschichtigkeit der weißen Faser aus der Geschichte:

James Henry Hammond (1807 – 1864, South Carolina, Gouverneur und Senator von South Carolina)

glaubte, dass Baumwolle nicht im Norden der Vereinigten Staaten und nicht in England wächst. Er war überzeugt davon, dass die industrielle Welt sich ihrer Macht beugen wird:

„Nein, ihr wagt es nicht, gegen die Baumwolle Krieg zu führen. Keine Macht der Erde wagt einen Krieg gegen die Baumwolle. Baumwolle ist unser König.“

Daniel Defoe (ca. 1660 -ca. 1731, London, Robison Crusoe) äußerte sich sehr besorgt über die indischen Baumwollimporte:

„… in unsere Häuser, unsere Kammern, unsere Schlafzimmer gekommen waren; Vorhänge, Kissen, Stühle und schließlich die betten selbst waren nichts als Kattun. …alles, das einst aus Wolle oder Seide gemacht war, sei es die Kleidung der Frauen oder die Möbel unserer Häuser, wurde vom indischen Handwerk geliefert.“

18.Jh. England

Der ländlichen Bevölkerung wurde durch Privatisierungen um ihren Grundbesitz gebracht. Die Fabriksysteme entwickelten sich, auch durch Erfindungen wie die „Spinning Jenny“ (1770) und die „Waterframe“ (1769). Die Fabriken brauchten Arbeitskräfte, billige ArbeiterInnen. Fabrikbesitzer der damaligen Zeit vertraten den Standpunkt, dass verheiratete Frauen mit hungernden Kinder die besten Arbeitskräfte sind da sie „leichter dazu zu bewegen, extreme körperliche Ermüdung zu ertragen“ und sie sind „…aufmerksam, fügsam und sind gezwungen sich aufs äußerste anzustrengen…“

Japan, 50er Jahre des 20. Jh.

Ca. 90% der japanischen Textilindustrie war durch den Krieg zerstört, der Aufbau erfolgte schnell. In japanischen Fabriken waren jungen Frauen die ersten Arbeiterinnen. Sie kamen vom Land. Versuchten sie dem Leben am Existenzminimum, ländlicher Armut und den Naturkatastrophen zu entkommen. Die Mädchen vom Land wurden als „naiv und fleißig“ oder als „einfach, aber ehrlich und mit großem Durchhaltevermögen“ beschrieben.

England 1689,

Es wurde versucht durch ein Gesetz das Tragen wollender Kleidung festzuschreiben. So sollten die Menschen zum Tragen von Schafwollkleidung von Allerheiligen (1.11.) bis zur Verkündigung Maria (25.3. oder 7.4.) verpflichtet werden.

1699

wurde versucht durch Gesetzesänderungen die Gerichtsbeamten, Richter, Studenten und Professoren des öffentlichen und bürgerlichen Rechtes Talare aus Wolle ganzjährig zu tragen. Auch dieser Versuch scheiterte.

Ca. 1700

kam es zu einer Änderung in der Gesetzgebung. Die Verstorbenen sollen in Wollkleidung beerdigt werden. Mit diesen Tricks versuchte sich der wollverarbeitende Textilzweig sich gegen die Übermacht der Baumwollindustrie in Indien und den Importen der Stoffe zu schützen.

(alle Texte in Anlehnung an das Buch „Reisebericht eines T-Shirts, Pietra Rivoli)

Lubbock

Stadt in Texas, genauer gesagt im Nordwesten des Landes, ist das größte zusammenhängende Baumwollanbaugebiet der Welt. 1890 so erzählt man, soll ein Mann mit seiner Familie zu Fuß durch das Land gegangen sein und an der Stelle wo heute sich die Stadt befindet gesiedelt haben. Den Namen leiteten die ersten Siedler vom Namen ihrer Heimat ab: Lübeck (Erik Orsenna, Weisse Plantagen). Andere Quellen geben der Namen stammt vom Oberst der Armee Thomas Saltus Lubbock (Wikipedia).

Der Selbstbetrug ist der häufigste Betrug
und auch der schlimmste.

Jakob Bosshart