Volkslied aus Niedersachsen

Zum Arzt kam einst gegangen
Ein schöner junger Mann,
Um Heilung zu erlangen;
Denn er war schlimm daran.
Und als der Arzt ihn fragte:
„Wo kommen sie daran?”
Da sagte der Geplagte:
„Wohl auf der Spinnerei,
Wohl auf der guten
Wohl auf der guten Spinnflachsweberei“.
Des Morgens in der Frühe
Da wollt ich auch mal hin,
Wohl zu der Kaffeemühle,
Dahin steht mir mein Sinn.
Da begegnet mir ein Mädchen,
Das war so bleich und blaß.
Und als ich sie nur fragte:
„Von woher kommt denn das?”
Das kommt von der guten,
Das kommt von der guten Spinnflachsweberei.“

 

Lied der jungen Spinnerin

Ich bin die junge Spinnerin
Und drehe goldene Fäden,
Hätt’ einer noch so wilden Sinn,
Ich fange dennoch jeden.
Vor meiner Spindel wirrem Saus
Vergehen ihm die Sinne,
Ich nehm’ ein Fädlein blos heraus
Und halt dabei nicht inne.
Ich bind’ den Schlimmen an den Stuhl
Und lass’ ihn nimmer weiter,
Mein Spinnrad saust, es geht die Spul’,
Ich sing mein Liedlein heiter.
Der Eingefangne wird so still,
Weiß nicht, wie ihm geschehen,
Bis ich ihn wieder lassen will,
Bleibt er mir ruhig stehen.

Martin Greif

 

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