Hallo und mäh, ich bin es Isabella.

Ich bin ein Schaf aus Norddeutschland, genauer gesagt, aus Schleswig. Ich erzähle gerne mal von meinen Ausflügen. So auch hier: Mensch, ist das Wetter in den letzten Tagen schlecht gewesen. Da mag ich nicht gern draußen sein.
Mäh, heute bin ich auf einem anderen Bioland Betrieb, einem Milchschafhof in der Nähe von Rendsburg. Hier leben und arbeiten ca. 150 Milchschafe und ihre Lämmer. Es sind friesische Milchschafe.

 

Ich durfte mir den neuen Stall und die Käserei ansehen. In die Käserei darf niemand Fremdes rein, da die Hygienevorschriften sehr hoch sind, was auch gut ist. Aufgrund des Wetters war der Aufenthalt draußen nicht sehr lang, aber nass.

Ich habe viel über Milchschafe und die tollen Produkte ihrer Milch gelernt:
Meine Verwandten- hier „Mädels“ genannt – kommen zweimal am Tag, morgens und nachmittags zum Melken von der Weide. Sie stehen bis ca. Oktober draußen und ca. ab März geht es wieder aus dem Stall auf die Wiese. Natürlich kommen sie nicht von allein von der Weide, sie werden geholt, oder gelockt und stehen dann in einem Wartebereich. Von hier aus geht es in den Melkstand, wo etwas Kraftfutter auf die Damen wartet. Milchschafe sind an Menschen gewöhnt, daher sind sie recht zutraulich. Wie auf dem Foto zusehen ist, sind sie auch neugierig.
Die Milchleistung der Schafe liegt bei ca. 2 Liter pro Tag und Tier. Sie bekommen bis zu vier Lämmer pro Wurf. Nur ein Lamm pro Muttertier kann neben dem Melken saugen.
Die anderen Lämmer werden verkauft, z.B. an Deichschäfer deren Lämmer verstorben sind. So bekommen die Schafe Ersatzlämmer. Es gibt zwischen den Deichschafen auch Milchschafe die den „Beruf“ gewechselt haben.
Ach ja, Deichschafe!
Deichschafe sind kleiner als Milchschafe. Sie haben kürzere Beine und kürzere Schwänze, weil sie kupiert sind. Sie sind nicht auf Milchleistung gezüchtet, sondern auf Fleischleistung. Ihr Auftrag ist vorrangig Landschaftspflege. Milchschafe brauchen ein andere Futter als Landschaftspfleger. Diese Tiere kommen mit magerem Futter zurecht. Milchschaffutter muss mehr Energie geben, damit Milch gewonnen werden kann, mäh.

Melker bei der Arbeit

Melker bei der Arbeit

 

Nach dem Melken wird die Milch bei 65° pasteurisiert und auf dem Hof zu Käse und Joghurt verarbeitet.
Für den Joghurt wieder erwärmt und mit Joghurtkulturen (Milchsäurebakterien) versetzt. Hier ist er erst fertig, wenn er schnittfest ist. Ich probiere Joghurt und Käse. Sie schmecken lecker, ich kann nicht entscheiden welcher Käse am besten ist. Doch der erwartete Schafgeschmack ist nicht so stark. Mäh, also Käse. –
Die Käseherstellung ist hier Handarbeit. Gebraucht werden Milch, Lab und Zeit.
Die Käseherstellung ist aufwendiger und lässt sich in Schulungen erlernen.
Er wird hier in Form von Frischkäse, Schnittkäse und Fetakäse produziert, Letzterer in der Art des griechischen „Fetakäse“. „Feta“ nennen dürfen ihn nur die Griechen, da der Name geschützt ist. Dieser Käse reift in einer Salzlake. Er ist leichtbrüchig. Verkauft wird er in Scheiben. „Feta“ ist übrigens griechisch und bedeutet Scheibe.
Lab ist nötig um die Milch einzudicken, sonst kann kein Käse entstehen. Früher gewannen die Menschen Lab aus Kälbermägen, heute wird Lab künstlich hergestellt. Nach einer gewissen Zeit ist die Milch dick. Er entsteht Gallerte, das mit der Käseharfe kleingeschnitten wird. Der Käsebruch, der nun entstanden ist, wird hier geschüttet und nicht gepresst. Den Unterschied kann man an den Löchern sehen. Gepresster Käse hat runde Löcher, geschütteter Käse hat ungleiche Löcher. Er wird in Formen gegeben. Hat der Käse seine Form erhalten wird er gedreht damit er gleichmäßig trocknen kann. Die Molke tritt aus. Nun kommen die Käse in eine Salzlake. Dadurch wird die Rindenbildung gefördert und schädliche Bakterien ferngehalten. Nun kann der Käse Reifen. Durch Bürsten und Schmieren bildet sich eine Rinde. Zunächst wird er öfter behandelt doch später werden die Abstände größer. Mindestens zwei Monate muss ein Käse reifen, es kann aber auch zwölf Monate und länger sein.Käse wird beim Lagern immer leichter und verdichtet sich.

Irgendwie bin ich doch stolz auf die Arbeit meiner Verwandten und die Produkte die in der Käserei daraus entstehen. Ich muss doch zugeben, dass der Lavendel zuhause besser duftet als der Schafstall. Mäh.

 

Hebt man den Blick,

so sieht man keine Grenzen.

Japanisches Sprichwort