Die japanische Papierkultur ist sehr differenziert zu der westlichen Kultur. Papier war ein Ausdrucksmittel für Religion und Menschlichkeit. So kam auch der Papierkleidung eine besondere Rolle zu.

Kamiko

Die Herstellung von Papierkleidung geht auf die Lebensbedingungen der armen Landbevölkerung und der buddhistischer Mönche vor ca. 1000 Jahren zurück. Sie hatten kein anderes Material zur Verfügung, Seide durften sie nicht tragen, es war ihnen verboten. So verwendeten die Bauern und Mönche ganze Bögen Papier zum Nähen von Kleidung. Die zerknitterten Papierbögen wurden durch Zugabe von verschiedenen Pflanzenextrakten wind- und wasserfest gemacht. Papier stellten die Bauern sowieso her, sie nutzen es für Lampen, Schirme und u.a. für Taschen.

Genannt werden die Stoffe „kamiko“, kami steht für Papier und Koromo bedeutet Mönchsgewand.

Shifu

shi bedeutet Papier, fu bezeichnet Tuch/Gewebe

Die „shifu- Tradition“ (17. Jh.) entsprang auch der ärmlichen Situation der Bauern. Hier wird Papier in Streifen geschnitten und mit Hilfe eines Spinnrades versponnen. Der entstandene Faden zu Stoffen verwebt ergibt einen weichen und geschmeidigen Stoff mit Glanz. Dieser Stoff kann sogar gewaschen werden.

Später entdeckten der Adel und die Samurai den Stoff für sich. Die Technik wurde verbessert. Mönche schrieben ihre Gebete auf das Papier und stellen Gewänder daraus her. Der Wert dieser Stoffe stieg enorm, zum Teil war der Stoff teurer als Seide. Ein Luxusartikel für die Reichen ihrer Zeit. Ihre Kleidung war weiß, die bäuerliche Kleidung jedoch gelb-braun.

Durch das Einführen preiswerter Stoffe und der Import von Baumwolle Anfang des 20. Jh. ging die Produktion zurück. Shifu und Kamiko wurden 1955 als japanisches Kulturerbe ausgezeichnet.

Legenden zur Entstehung

Im frühen 16. Jahrhundert soll ein Spion der Erste gewesen sein, der eine geheime Nachricht zerschnitt, zusammen rollte und zu Kleidung verwebte. So konnte er das Schriftstück problemlos durch feindliches Gebiet bringen. Das Shifu war erfunden.

Eine andere Legende besagt,

dass ein japanischer Mönch aus einigen Seiten der heiligen Schriften Buddhas ein provisorisches Hemd anfertigte um seinen Besuch in sauberer Kleidung gegenübertreten zu können. So entstand das Kamiko.

Heute kann japanischen Shifu-Papier käuflich erworben werden. Es lässt sich mit etwas Übung verspinnen und verweben. Gewonnen wird das Papier aus dem Kozo-Strauch, auch Papiermaulbeerstrauch genannt.

Die Faser isoliert gut gegen Hitze und Kälte. Sie schützt vor Nässe. Jedoch handelt es sich nicht um ein haltbares Produkt. Es ist nicht waschbar und nur einige Male zu tragen.

Wahre Worte sind nicht angenehm, angenehme Worte sind nicht wahr.

Laotse